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30 Jahre Stiftungsförderschule „Friedrike zu Anhalt“: Eine kleine Schule mit großen Gefühlen

16.10.2026

Mit einem festlichen Programm, persönlichen Worten und vielen gemeinsamen Erinnerungen feierte die Stiftungsförderschule „Friedrike zu Anhalt“ in Bernburg am 15. Oktober ihr 30-jähriges Bestehen. Im Mittelpunkt standen die Menschen, die die Schule seit 1996 prägen, und die Überzeugung, dass jedes Kind eine Chance verdient.

Herbstliche Sonnenstrahlen fielen auf das festlich geschmückte Stiftungsgelände in Bernburg, als die Schulgemeinschaft und zahlreiche Gäste zusammenkamen, um das Jubiläum zu feiern. Schüler*innen, Lehrkräfte sowie Mitarbeitende der Stiftung, Eltern und Bekannte, die der Schule seit vielen Jahren verbunden sind, blickten gemeinsam auf drei Jahrzehnte pädagogischer Arbeit zurück.

Eröffnet wurde die Feier von Schulleiterin Anja Hupe. Danach stimmte ein Kinderchor mit einem Geburtstagslied auf den besonderen Tag ein. Gedichte, musikalische Beiträge und ein Theaterstück der Klasse 1/ 2 zeigten, was die Schule ausmacht: Gemeinschaft, gegenseitige Unterstützung und den Mut, auch nach Rückschlägen weiterzumachen.

An junge Menschen glauben und Entwicklung ermöglichen

Mike Keune, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Evangelische Jugendhilfe, betonte in seinem Grußwort, wie wichtig es ist, dass junge Menschen andere Menschen an ihrer Seite haben, die an sie glauben – gerade dann, wenn ihr Weg nicht einfach ist. Dieser Gedanke verbinde die Arbeit der Stiftung über Generationen hinweg.

Die Stiftungsförderschule schaffe dafür wichtige Voraussetzungen. Kleine Klassen und ein hoher Personalschlüssel ermöglichen eine individuelle Förderung und begleiteten die Kinder in ihrer Entwicklung. Eine besondere Stärke liege zudem in der engen Verzahnung von Schule und Jugendhilfe: Viele Schüler*innen leben in Wohngruppen der Stiftung, sodass schulische Förderung und pädagogische Begleitung ineinandergreifen.

Mike Keune dankte dem Team der Schule für seine fachliche Kompetenz und seinen täglichen Einsatz. Entwicklung lasse sich nicht erzwingen, sondern brauche gute Rahmenbedingungen, Geduld und Menschen, die Kinder auf ihrem Weg begleiten.

Auch Dr. Silvia Ristow, Oberbürgermeisterin der Stadt Bernburg (Saale), würdigte die Arbeit der Schule. Seit 1996 biete sie Kindern und Jugendlichen einen besonderen Rahmen, um Selbstvertrauen zu entwickeln und eigene Zukunftsperspektiven aufzubauen. Entscheidend sei, dass ihre Zukunft offenbleibe und sie das Rüstzeug erhielten, ihre persönlichen Ziele zu verfolgen.

Als Zeichen der Anerkennung überreichte sie ein Bildnis der Namensgeberin Herzogin Friedrike zu Anhalt auf einer Ehrenplakette für die Stiftung. Jürgen Banse, Geschäftsführer des Verbands der Privatschulen Sachsen-Anhalt e. V., überbrachte ebenfalls Glückwünsche und eine Urkunde. Mit einem Zitat von Mahatma Gandhi erinnerte er daran, dass der Weg zu einer friedlichen Welt bei den Kindern beginnt.

 „Kleine Schule, große Gefühle“

Vier Worte stellte Schulleiter Karsten Richter in seiner Festrede in den Mittelpunkt: „Kleine Schule, große Gefühle“. Wer die Schule betrete, merke schnell, dass hier jeder jeden kenne. Und wo Menschen sich kennen, teilten sie auch das Leben miteinander.

Dazu gehörten die Phasen des Jubelns ebenso wie die des Zweifelns, Tage voller Lachen und Zeiten, die alle Beteiligten vor große Herausforderungen stellten. Gerade in diesen Momenten fange die Schulgemeinschaft die Kinder auf.

„Gefühle sind bei uns kein Nebenprodukt – sie sind unser Hauptfach“, sagte Karsten Richter. Wie viel das bedeuten kann, zeige sich beispielsweise bei gemeinsamen Schulwanderungen: Wenn die Schüler*innen gemeinsam den Brocken im Harz erklimmen und am Gipfel die Tränen des Stolzes fließen, werde deutlich, was sie durch Ausdauer, Unterstützung und Vertrauen erreichen können.

Sein Dank galt auch den Eltern, die der Schule ihre Kinder anvertrauen und den gemeinsamen Weg mitgehen – auch dann, wenn es einmal stürmisch wird.

Wie viel diese Gemeinschaft den Kindern bedeutet, zeigte sich unmittelbar im Anschluss an die Rede: Eine Schülerin ergriff spontan auf der Bühne das Wort und bedankte sich bei ihren Lehrkräften. Ein bewegender Moment, der die Botschaft des Jubiläums auf ganz eigene Weise auf den Punkt brachte.

Ein Baum für die Zukunft und eine Kapsel voller Erinnerungen

Ein besonderer Höhepunkt war die gemeinsame Pflanzung eines Magnolienbaums auf dem Stiftungsgelände. Mit seiner langen Entwicklungsgeschichte und seinen eindrucksvollen Blüten steht die Magnolie unter anderem für Beständigkeit, Würde und innere Stärke. Damit wurde er zum passenden Symbol für eine Schule, die Kinder und Jugendliche über viele Jahre hinweg begleitet und ihnen Raum gibt, sich in ihrem eigenen Tempo zu entwickeln.

Anschließend wurde eine Zeitkapsel vergraben. Sie bewahrt Erinnerungen aus der Gegenwart für die Zukunft und verbindet den Blick zurück auf 30 Jahre Schulgeschichte mit der Frage, welche Geschichten die kommenden Jahre schreiben werden.

Nach dem Anschnitt der Festtagstorte und der Eröffnung des Buffets ging das Jubiläum in ein gemütliches Beisammensein über.

Die Schule gestern, heute und morgen entdecken

Im Schulhaus gab anschließend es zahlreiche Möglichkeiten, die Stiftungsförderschule näher kennenzulernen. Zeittafeln und Fotowände machten die vergangenen drei Jahrzehnte sichtbar. Auf Wunsch-Herzen konnten Geburtstagsgrüße geschrieben werden. Ein Klassenraum im Stil der 1990er-Jahre ließ die Schüler*innen und Gäste in den Schulalltag der Anfangszeit eintauchen. Ein kleines Kino, ein Graffiti-Workshop im Banksy-Stil sowie verschiedene Spiel- und Lernstationen luden zum Entdecken und Mitmachen ein. Auch selbstgebackener Kuchen und selbstgemachtes Sushi gehörten zum vielfältigen Angebot.

So wurde der Geburtstag nicht nur zu einem Rückblick auf die Geschichte der Schule, sondern auch zu einem Fest der Begegnung. Ehemalige Wegbegleiter*innen und heutige Mitarbeitende, Kinder und Gäste kamen miteinander ins Gespräch und teilten Erinnerungen und Wünsche für die Zukunft. 

Jedem Kind eine Chance geben

Das 30-jährige Jubiläum machte deutlich, dass die Arbeit und der Schulalltag an der Stiftungsförderschule weit über Unterricht und Lehrpläne hinausgeht. Die Schule lebt von verlässlichen Beziehungen, individuellen Entwicklungsmöglichkeiten und Menschen, die auch dann an Kinder glauben, wenn der Weg schwierig wird.

Oder, wie es das Theaterstück der Klassen 1/2 ausdrückte: Manchmal klappt etwas erst nach mehreren Versuchen. Entscheidend ist, nicht aufzugeben – und die Chance zu bekommen, es erneut zu versuchen.

Über die Stiftungsförderschule Friedrike zu Anhalt

Die Stiftungsförderschule Friederike zu Anhalt ist eine staatlich anerkannte Ersatzschule mit dem Förderschwerpunkt soziale und emotionale Entwicklung in Trägerschaft der Stiftung Evangelische Jugendhilfe St. Johannis. Seit 1996 begleitet sie Kinder und Jugendliche dabei, Vertrauen in sich selbst und andere zu entwickeln, Lernmotivation zu entdecken und neue Zukunftsperspektiven zu eröffnen. Kleine Klassen, individuelle Lernmethoden, praxisorientierter Unterricht und eine gezielte Berufsorientierung ermöglichen eine gemeinschaftliche, inklusive und individuelle Förderung. Ziel ist es, die Schüler*innen auf ihrem persönlichen Bildungsweg zu begleiten – von der möglichen Rückführung in die Regelschule bis zur Vorbereitung auf einen Hauptschulabschluss.

 

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