Save the Children LeseOasen im Hort Weltentdecker: Interview mit Frau Biester

Ein gutes Buch, eine Tasse Tee und ein Ort, an dem man zur Ruhe kommen kann: Im Hort „Weltentdecker“ in Magdeburg sind die LeseOasen längst ein fester Bestandteil des Alltags. Sie bieten Kindern Raum für Gespräche, Begegnung und gemeinsame Erlebnisse. Dabei geht es auch darum, die Räume zusammen mit den Kindern zu gestalten und immer wieder zu fragen: Was brauchen sie?
Im folgenden Interview erzählt Hortleiterin Stephanie Biester, wie die LeseOasen den Alltag der Kinder und des Teams bereichern und welche nächsten Schritte geplant sind. Wir veröffentlichen das Interview aus dem Projekt „LeseOasen“ von Save the Children mit freundlicher Genehmigung im vollständigen Wortlaut.
3 FRAGEN AN … STEPHANIE BIESTER
Stephanie Biester leitet den Hort „Weltentdecker“ der Stiftung Evangelische Jugendhilfe in Magdeburg. Seit 2023 sind dort drei LeseOasen entstanden – darunter ein Lesegarten. Im Interview erzählt sie, wie bei einer Tasse Tee vertrauensvolle Gespräche entstehen, warum der Hort seine LeseOasen noch einmal auf den Prüfstand stellt und was Unkrautzupfen mit Leseförderung zu tun hat.
WAS MACHEN EURE LESEOASEN HEUTE ZU BESONDEREN ORTEN FÜR DIE KINDER?
Unsere LeseOasen sind inzwischen ein fester Bestandteil unseres Hortalltags. Natürlich wird dort gelesen, aber sie sind viel mehr als reine Leseräume. Gerade für unsere Erstklässler sind sie wichtige Rückzugsorte. Nach dem Unterricht können sie dort erst einmal ankommen und runterfahren, bevor es mit Hausaufgaben oder anderen Angeboten weitergeht.
Spannend finde ich, dass wir einen ähnlichen Effekt sogar bei den Eltern beobachten. Wenn wir die LeseOasen oder unseren Lesegarten für Familien öffnen, kommen auch Erwachsene miteinander ins Gespräch. So sind durch die LeseOasen Räume entstanden, in denen Begegnung möglich wird – und das geht für mich weit über das Lesen hinaus.
WELCHE ERLEBNISSE ZEIGEN DIR BESONDERS, WAS DIE LESEOASEN BEWIRKEN KÖNNEN?
Freitags findet in der LeseOase unsere Teestunde statt. Die Kinder müssen sich dafür anmelden und die Plätze sind immer sofort weg. Bei einer Tasse Tee kommen sie miteinander und mit uns ins Gespräch – über leichte, aber auch über schwierige Themen wie den Tod. Es berührt mich immer sehr, wenn Kinder anfangen, von Dingen zu erzählen, die sie beschäftigen. So entsteht ein Austausch, ohne dass wir Erwachsenen ihn groß anstoßen müssen. Und für die Kinder scheint ganz selbstverständlich zu sein: Was wir hier erzählen, ist sicher. Die LeseOase ist ein geschützter Raum. Dieses Vertrauen finde ich unglaublich wertvoll.
Seit diesem Jahr haben wir ja auch einen Lesegarten draußen, mit einer großen Holzliege mit Blick in den Himmel. Wir sind im Frühjahr gestartet und haben mit den Kindern praktisch den Winter ausgetrieben. Die waren total mit dabei, haben Unkraut gezupft und pflegen bis heute die Beete mit Tomaten und Kräutern. Sie übernehmen Verantwortung für ihren neuen Leseort. Das ist toll zu sehen.
Und auch bei uns im Team bewirkt die LeseOase viel. Immer mehr Erzieher sind mit ins Boot gekommen und haben an den Schulungen teilgenommen. Das Leseförderprogramm „An die Geschichten, losgelesen“ hat auch unseren Blick auf Kinderliteratur noch einmal verändert. Seitdem suchen wir anders nach Büchern, die wirklich die Lebenswelten und die Vielfalt der Kinder abbilden.
WIE SOLL ES MIT EUREN LESEOASEN JETZT WEITERGEHEN?
Wir haben uns erfolgreich für das LeseOasen-Upgrade beworben und freuen uns sehr darauf. Wir möchten gern gemeinsam mit den Kindern noch einmal genau hinschauen: Passen die LeseOasen, so wie sie sind, noch zu ihren Bedürfnissen? Was sollte sich verändern, welche Möbel müssen vielleicht ersetzt werden?
Seit dem Start 2023 ist eine komplette Kindergeneration nachgerückt. Deshalb ist es uns wichtig, auch die neuen Kinder stärker mit einzubeziehen.
Und ich gebe unsere Erfahrungen als Multiplikatorin an eine andere Einrichtung in Bernburg weiter, die eine eigene LeseOase aufbaut. Dabei geht es nicht darum, unser Konzept zu kopieren. Jede Einrichtung muss schauen, was zu ihr und ihren Kindern passt. Entscheidend ist für mich, immer wieder zu fragen: Was brauchen die Kinder? Denn es sind schließlich ihre Orte.
Entscheidend ist für mich, immer wieder zu fragen: Was brauchen die Kinder?
Quelle: Save the Children, Projekt „LeseOasen“. Gefördert von der Postbank. Abdruck mit freundlicher Genehmigung.


